Exkurs weiße Blutkörperchen

Grundlagen: Blutbildung – Leukozyten

Im ersten Zeil schrieb ich: “Und dann gibt es noch weiße Blutkörperchen (Leukozyten), die die Immunabwehr bilden.” Um zu verstehen, was ein Lymphom ist, müssen wir uns etwas genauer mit den weißen Blutkörperchen beschäftigen.

Die Leukozyten werden in verschiedene Gruppen unterteilt. Diejenigen Leukozyten, die im lymphatischen Gewebe vorkommen, heißen Lymphozyten. Hierzu gehören grob gesagt T-Lymphozyten, B-Lymphozyten und sogenannte Killerzellen. Die Lymphozyten sind ein Blutbestandteil, können jedoch die Blutbahnen verlassen und in das lymphatische System wechseln. Sie tummeln sich beispielsweise in der Flüssigkeit zwischen den Organen, in der Milz, in den Mandeln und in der Lymphe sowie in den Lymphknoten.

Jetzt wird es richtig interessant.

Es geht um die Entstehung der Blutzellen, insbesondere der B-Lymphozyten.

Wir haben es also mit verschiedenen Blutzellen zu tun, die auf unterschiedliche Aufgaben spezialisiert sind. Das Bemerkenswerte ist jetzt, dass sie alle ein und dieselbe zelluläre Herkunft haben. Ob rot, ob weiß, ob platt, den Ursprung bildet immer eine Blutstammzelle, die im Knochenmark entsteht. Diese Alleskönner-Zelle (das heißt dann: sie ist eine pluripotente Zelle) macht, was Zellen so machen: sie teilt sich. Da sind es dann schon 2 Zellen. Jetzt könnte man denken, na gut, dann haben wir jetzt eben zwei Stammzellen, eine Sensation ist das jetzt auch nicht, aber weit gefehlt: Nur eine Tochterzelle ist wieder eine neue Stammzelle. Die andere Zelle macht etwas Anderes:

Sie reift!

Dadurch wird sie zu einer Zelle, die auf eine bestimmte Aufgabe spezialisiert sein wird. Dieser Prozess wird Differenzierung genannt. Im Einzelnen geht das bei den Lymphozyten folgendermaßen vor sich:

Aus einer der beiden Tochterzellen entsteht nach der Teilung der Stammzelle eine lymphatische Vorläuferzelle.
Diese muss sich jetzt entscheiden: werde ich ein T-Lymphozyt oder ein B-Lymphozyt?

Der T-Lymphozyt hat seinen Namen von der Tatsache, dass er in der Thymusdrüse hinter dem Brustbein weiter heranreift. Will die Vorläuferzelle jedoch keine Ausbildung zum T-Lymphozyten machen, muss sie sich für ein Leben als B-Lymphozyt entscheiden.

B-Lymphozyten haben ihre Bezeichnung von dem englischen Wort für Knochenmark, welches bone marrow lautet. Dort, im Knochenmark nämlich, erhalten die B-Vorläuferzellen ihre weitere Ausbildung.

Erst einmal reift die kleine B-Vorläuferzelle ein wenig vor sich hin und wird also zur reifen B-Vorläuferzelle, danach zur sogenannten Mantelzonenzelle. Im anschließenden Stadium heißt sie Zentroblast und befindet sich bereits in einem Lymphknotenfollikel im lymphatischen System. Nach kurzer Reifezeit wird die Zelle Zentrozyt genannt. Dieser durchläuft jetzt noch weitere Entwicklungsstadien, die nacheinander B-Immunoblast, lymphoplasmozytoide Zelle und schließlich B-Lymphozyt heißen.

Hurra, jetzt ist er fertig und kann seiner einzigen Aufgabe nachkommen: B-Plasmazelle zu werden und Antikörper zu produzieren, und zwar en masse.

Die B-Plasmazelle hat an ihrer Außenhaut Y-förmig angeordnete Eiweiße, die genau definierte, fremde chemische Strukturen, beispielsweise Viren, Bakterien und andere Feinde, im Körper erkennen. Salopp gesagt, markieren die B-Plasmazellen diese Eindringlinge und geben sie zum “Abschuss” durch andere, darauf spezialisierte Zellen frei.

Durch die Kombination der Eiweiße und ihre ganz spezifische Anordnung passt ein Antikörper immer genau auf einen Infektionserreger, sein Antigen. Zur Not werden halt neue, passende Antikörper gebaut. Dabei ist die Dimension erstaunlich, in der das Ganze stattfindet: Jede B-Zelle hat auf ihrer Zellmembran ca. 10.000 Antikörpermoleküle. Sie kann in der Sekunde bis zu 2.000 Antikörper produzieren. Wir sprechen also von Millionen Zellen, die Milliarden von Antikörpern herstellen und ebenso viele Eindringlinge vernichten (bzw. vernichten lassen).

Zusammenfassend kann man also sagen, dass ausgehend von einer Stammzelle verschiedene Blutzellen gebildet werden, die ganz spezifische Aufgaben des Immunsystems erfüllen.

Schön und gut, aber wo ist jetzt das Lymphom?