Büsum (behindert)

Büsum (behindert)

Es ist Sommer, ich lebe am Meer, eine liebe Freundin hatte Urlaub. Was also liegt näher, als einen Tag am Meer zu verbringen? Immer dieselbe Stelle am Deich zu besuchen ist langweilig, also machten wir uns diesmal auf nach Büsum. Brav lösten wir unsere Gästekarten und hatten einen schönen Tag mit Wattlaufen, nebenbei Plastik sammeln und tiefschürfenden Gesprächen.

Wer beschreibt mein Erstaunen, als ich später mein Portemonnaie aufräumte und dabei auch die Kurkarte zutage förderte.

"Tageskarte Büsum (Behindert)" mit allerlei statistischen Angaben: Datum, Bon-Nummer, Benutzer (soll wohl heißen: wer hat die Karte ausgestellt), von welchem Strandwärterhaus ausgestellt und so weiter.

Ich hatte eine behinderte Tageskarte gekauft! Armes Ding, das. Was wird es wohl für eine Behinderung haben? Vielleicht ein Knickleiden? Frühzeitiges Verblassen? Zu dünnes Trägerpapier? Leidet die behinderte Kurkarte daran, dass der Aufdruck nicht genau mittig erfolgte? Fragen über Fragen.

Aber im Ernst: Es ist richtig: ich habe nach meinem Rezidiv einen GdB (Grad der Behinderung) von 70. Dass diese Tatsache jetzt aber auf einer popeligen Kur-Tageskarte erfasst und mit ausgedruckt wird, ist der Hammer. Wo ist die DSGVO, wenn man sie braucht? Bedeutet das, dass ich jedem Strandwärter, der mich kontrolliert, auch meinen Behindertenausweis zeigen muss? Was geht ihn das an? Wichtig ist doch nur, dass ich die Kurtaxe (oder wie immer das heißt, was ich bezahlt habe. Eintritt? Sandpauschale?) bezahlt habe.

Leute, wenn wir keine anderen Sorgen haben, als jeden Strandbesucher nach erwachsen/Kind/Senior/(nicht) “behindert” schriftlich zu sortieren und schriftlich zu dokumentieren, muss es uns verdammt gut gehen.
/Ende Kopfschütteln