Rezidiv: Erste Chemotherapie im Juni 2018

Rezidiv: Erste Chemotherapie im Juni 2018

Da bin ich also wieder und hänge am Tropf. Es geht wieder los mit den Putzerfischen. Diesmal entscheide ich mich auf medizinischen Rat für eine stationäre Aufnahme und erlebe die Chemo wie einen Boxenstopp mit Überraschungen.

Diesmal bekomme ich meine erste ‚Dröhnung‘ verteilt auf vier Tage. Das haben der Arzt und ich uns so ausgedacht, weil die erste Chemo vor acht Jahren bei mir dermaßen gut angeschlagen hat, dass mein Körper sehr schnell reagierte. Das wiederum führte damals zu einer großen Lymph-Ansammlung im Bauchraum. Hierzu habe ich seinerzeit einen eigenen Beitrag verfasst. Die daraus entstehenden Probleme wollten wir dadurch verhindern, dass die Gabe der Medikamente auf vier Tage gestreckt wird und ich in der Klinik unter Beobachtung bin. Ob das eine gute Idee war, wird sich zeigen.

Therapie wie ein Boxenstopp – nur gemächlicher

Sehr angenehm ist, dass ich mich um nichts kümmern muss. Ich wache auf, bekomme zu essen, irgendwann kommt die Chemo zu mir. Ich muss nur daliegen und kann auch direkt einschlafen. Rituximab macht mich müde. Kein Problem, ich strecke mich aus und schlafe so lange ich will. Nach Bendamustin hingegen bin ich hellwach.

Chemo: Bendamustin Foto und Bearbeitung: Susanne Golnick

Nebenbei

Ich bekomme zur Prophylaxe ein Medikament gegen Herpes Viren und eines, das einem Breitband-Antibiotikum ähnelt. Die beiden schlagen mir ganz offenbar auf den Magen. Das eine macht Magenschmerzen das andere eine stetige leise Übelkeit. Unangenehm. Später stellt sich heraus, dass die Magenschmerzen an dem Medikament gegen Herpesviren liegen. Ich setze die Tabletten später nach Rücksprache mit dem Arzt ab.

Chemo4 Foto und Bearbeitung: Susanne Golnick

Resistenter Keim im Zimmer

An sich ist die Entscheidung einer stationären Therapie gut. Jedoch stellt sich nach zwei Tagen heraus, dass meine Zimmergenossin einen resistenten Keim hat. Da ich Kontaktperson bin, werde ich gleich mit isoliert. Ich darf das Zimmer nicht verlassen. Dumm nur, dass ich mit der Keimträgerin gemeinsam eingesperrt bin. Die Hygieneabteilung des Krankenhauses hat sich das möglicherweise am grünen Tisch anders vorgestellt, jedoch ist die Station so voll, dass man mich zusammen mit dieser Frau eineinhalb Tage einsperrt. Ich bin zu matt, deswegen zu protestieren oder zu argumentieren.

Später auf Nachfrage erklärt mir eine Krankenschwester, dass die Infektion mit dem Keim nur über direkten Kontakt mit Ausscheidungen möglich ist, deswegen sei ich nicht wirklich direkt gefährdet. Danke für die Info.

Meiner Zimmergenossin ist diese Sache ungemein peinlich, obwohl sie nichts dafür kann. Sie beteuert, sehr reinlich zu sein, was ich schon mitbekommen habe.

Allerdings ist in der Klinik niemandem aufgefallen, dass sie seit 2 Tagen eine Urinprobe abgeben soll, was sie ständig vergisst. Der leere Becher steht seit Tagen auf ihrem Nachttisch und keinem fällt es auf. Nicht dem Pflegepersonal, nicht der Ärztin, keinem. Auch in der elektronischen Krankenakte scheint es nicht aufzufallen, dass da ein Laborwert fehlt, der normalerweise kurz nach der Aufnahme einzutragen wäre. Es gibt wohl keinen Hinweis durch die Software.

Krankenhaus Foto: Susanne Golnick

Hygiene

Mir fällt in dieser Situation auch auf, dass in unserem Bad keine Desinfektionsflüssigkeit zu Verfügung steht. Die Automaten befinden sich weit weg vom Waschbecken im Zimmer verteilt: einer an der Tür und einer kurz vor dem Fenster. Um dorthin zu gelangen, muss meine Zimmergenossin nach dem Händewaschen quer durch den Raum laufen, wobei sie sich hier und dort, unter anderem an meinem Bett, abstützt. Super. Ich hätte da also einen Verbesserungsvorschlag: Montiert doch einen Automaten neben dem Waschbecken.

Rituximab Foto und Bearbeitung: Susanne Golnick

Längere Erholungszeit

Im Gegensatz zur ersten Therapie vor acht Jahren benötige ich nach dieser ersten Chemo eine ganze Woche, um mich davon zu erholen. Das mag auch daran liegen, dass eben auch acht Jahre älter bin und gesundheitlich einiges durchgemacht habe.

Fazit

  • Die stationäre Chemo ist gut für mich
  • Die weiteren Behandlungen werden drei statt vier Tage dauern
  • Ich werde das Problem mit der Hygiene ansprechen
  • Was kostet eigentlich ein Einzelzimmer-Zuschlag?