Rezidiv

Rezidiv

Es ist wieder da. Achteinhalb Jahre nach der Erstdiagnose, fast sechs Jahre nach Beendigung der Erhaltungstherapie habe ich es schriftlich: Rezidiv – Wiederauftreten des follikulären Lymphoms.

Völlig überraschend, gefühlt über Nacht entdeckte ich im April eine Schwellung am Hals. Nach kurzer Zeit sah es so aus, als wäre ich beim Verschlucken einer Kröte unterbrochen worden. Kurze Schockstarre. Dann begann das übliche Programm: Ab zur Hausärztin, dann mit Überweisung zum Onkologen, außerdem CT-Termin, Ultraschall, Biopsie, Abwarten des histologischen Gutachtens…

Diagnose II

Man stellt fest: da ist etwas, es ist lokal begrenzt, Milz und so sind zum Glück normal groß. Was es genau ist, muss abgeklärt werden.  In der onkologischen Ambulanz vorgestellt, dort an die Chirurgie weitergeschickt, kurze stationäre Aufnahme und Entnahme einer Probe fürs Labor.

Das Labor – ich muss es leider so sagen – trödelt etwas herum. Man findet meine Erstdiagnose aus 2010 nicht in den dortigen Unterlagen, lässt sich das alte Gutachten von mir (bzw der Klinik) schicken, hat Nachfragen und lässt meine Sache trotz umgehender Beantwortung der Fragen zunächst ein paar Tage liegen, bevor man sich dann noch einmal mit der Probe beschäftigt. Also: OP am 7. Mai und am 13. Juni liegt endlich das Ergebnis des Labors vor. Sagenhaft. Ich weiß gründliche Arbeit zu schätzen, aber je mehr Zeit verging, desto größer wurden die Gespenster: Dauert es so lange, weil die ein ganz böses Ergebnis haben und erneut prüfen? Inzwischen hatte ich gelegentlich leichte Atemnot, “das Ei” drückte auf den Kehlkopf, immer mehr Beschwerden. Neigung zu Übelkeit. Die Ungewissheit machte mich nervös, gelegentlich dünnhäutig.

Heulen und Feiern

Dann rief mich der Onkologe an: Das Ergebnis läge vor, es sei wieder ein follikuläres Lymphom.  Das Knochenmark sei nicht befallen. Ich schwanke zwischen Heulen und Feiern: Heulen, weil es gewiss ist: es geht wieder los mit Chemo; ich werde für längere Zeit krank sein. Dabei habe ich es so satt, krank zu sein. Feiern, weil es keine ganz neue, andere, womöglich noch schlimmere Erkrankung ist. Ich habe es quasi mit einem ‘alten Bekannten’ zu tun, von dem ich zwar weiß, dass er ein **#@³§** ist, aber wenigstens beherrschbar. Und: Das Lymphom hat sich bei Weitem nicht so in meinem Körper ausgebreitet wie vor achteinhalb Jahren.

Fassen wir es zusammen: Das Lymphom ist wieder da. Mich erwarten 6 Chemos, anschließend 2 Jahre Erhaltungstherapie.