Neuer Standard: Obinutuzumab

Neuer Standard: Obinutuzumab

Der CD20 Antikörper Obinutuzumab wirkt offenbar länger und gründlicher als das erfolgreiche Medikament Rituximab (MabThera™). Die schlechte Nachricht: Es treten dabei mehr Nebenwirkungen auf.  Möglicherweise wird Obinutuzumab bald neuer Standard in der Antikörpertherapie.

Im Oktober berichtete das New England Journal of Medicine über die aktuellen Ergebnisse einer großen internationalen Multicenter-Studie, die gemeinsam von der deutschen Studiengruppe niedrig maligne Lymphome (GLSG) unter der Leitung von dem Direktor der Medizinischen Klinik III am Klinikum der Universität München Prof. Dr. Wolfgang Hiddemann und der englischen Lymphomstudiengruppe (NCRI) unter der Leitung von Dr. Robert Marcus wissenschaftlich koordiniert wurde.

Dem üblichen Behandlungs-Schema folgend bekamen 1.200 Patienten eine Kombination  aus einem Antikörper und einer Chemotherapie in den ersten sechs Monaten der Behandlung ; anschließend erfolgte eine Erhaltungstherapie mit dem CD20-Antikörper MabThera™ beziehungsweise Obinutuzumab über zwei Jahre.

Das Ergebnis ist schnell zusammengefasst: Beide Medikamente wirken gut: 9 von 10 Patienten sprachen auf die Behandlung an. Dabei zeigte sich in der Gruppe, die das neue Medikament, nämlich Obinutuzumab, bekam, ein längeres rückfallfreies Überleben. Der Nachteil: Das neue Medikament verursache mehr Nebenwirkungen wie Infusionsreaktionen, Übelkeit und eine Verringerung weißer Blutzellen (Neutropenie). Diese seien jedoch, so die Autoren, klinisch gut beherrschbar. Deswegen schließt der Münchener Autor der Studie Prof. Dr. W. Hiddemann:

“Nach dem Ergebnis dieser Studie muss Obinutuzumab in Kombination mit Chemotherapie als neuer Standard in der Therapie follikulärer Lymphome angesehen werden”.

Die Frage der Nebenwirkungen tritt erfahrungsgemäß hinter der besseren Wirkungsweise zurück, besonders, wenn die Mediziner die negativen Begleiterscheinungen als beherrschbar einschätzen. Obinutuzumab ist in Europa seit 2014 zur Behandlung chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) zugelassen,


Über Rituximab / MabThera™

Rituximab ist ein biotechnologisch hergestellter chimärer monoklonaler anti-CD20Antikörper, der als Arzneistoff in der Krebsimmuntherapie vorwiegend bei der Behandlung von malignen Lymphomen eingesetzt wird (EU-Zulassung 1998). In Studien wird außerdem die Wirksamkeit von Rituximab bei anderen Erkrankungen, etwa Autoimmunerkrankungen wie membranöse Glomerulonephritis geprüft. Rituximab war einer der ersten Wirkstoffe einer neuen Generation von Medikamenten in der Krebsimmuntherapie und gilt daher als Vorreiter der gezielten Krebstherapie. Der variable Teil des Antikörpers richtet sich gegen das Zelloberflächenmolekül CD20, welches sich zum Beispiel bei einem Teil der Non-Hodgkin-Lymphome nachweisen lässt. Hersteller:Roche

Über Obinutuzumab (Danke, Wikipedia)

Alte Bezeichnung Afutuzumab, Handelsname Gazyvaro® oder außerhalb der EU als Gazyva®; Hersteller Roche
GA101 (Obinutuzumab) wirkt ähnlich wie Rituximab und Ofatumumab als CD20-Antikörper. Dieser Wirkstoff ist der erste monoklonale CD20-Antikörper der 2. Generation, der mit der Technik des sogenannten Glykoengineering (Glykosylierung) optimiert wurde. Dadurch kann die Vernichtung bösartiger B-Lymphozyten durch Aktivierung anderer Immunzellen gegen Krebszellen oder die direkte Auslösung des Zelltodes verbessert werden.

Quellen: