Zweite Chemo mit Komplikationen

Zweite Chemo mit Komplikationen

Am 23. 2.2010 hatte ich meine zweite lange Chemo-Sitzung (ich habe immer zwei Gaben an aufeinander folgenden Tagen, dann vier Wochen Pause). Ich hatte meiner Ärztin von Schmerzen am Brustkorb berichtet und von Kurzatmigkeit. Sie nahm dies sehr ernst und schickte mich nach der Chemo-Sitzung zum Brustkorb-Röntgen. Mündlich teilte man mir in der Röntgenabteilung kurz mit, dass soweit alles OK sei. Am nächsten Tag sollte ich dann mit meiner Ärztin über den Befund sprechen, da dieser dann schriftlich vorliegen sollte.

Wasser?

An besagtem Tag hieß es dann, nichts sei “in Ordnung”; ich hätte Flüssigkeit, vermutlich Wasser, in der Lunge. Da auch meine Blutwerte vom Vortag hohe Entzündungswerte aufwiesen, käme eine Lungenentzündung in Betracht. Mittels Sonografie wurde die genaue Stelle der Flüssigkeitsansammlung bestimmt und der Rücken oberhalb des Zwerchfells punktiert. Als währenddessen sichtbar wurde, was sich da so angesammelt hatte, meinte meine Ärztin etwas verdutzt, das sei ja nun nicht gerade eine klare oder leicht getrübte Flüssigkeit. Ich blickte nach hinten und sah etwas, das aussah wie mein Lieblingsduschgel.

Ach! Lymphe!

Ein herbeigerufener weiterer Arzt steckte kurz den Kopf zur Tür rein und sagte bloß: “Ach! Lymphe!” – und zwar 1200 ml. Ich persönlich finde das ziehmlich viel.  Über die genaue Bedeutung dieses “Fundes” mochte sich meine Ärztin nicht weiter äußern, da sie sich nicht sicher war. Die Chemo wurde jedoch erst einmal unterbrochen. Ich bekam Antibiotoka verordnet sowie den Hinweis, dass ich mich bei Fieber oder sonstigen Beschwerden sofort melden solle. Umgekehrt würde sie sich melden, falls die Rücksprache mit den Kollegen etwas Dramatisches vermuten lasse und weitere Maßnahmen zu veranlassen wären. Ansonsten solle ich in zwei Wochen erneut Blut abnehmen lassen und am Tag darauf nochmals zur Sono kommen. Dann könne vermutlich entschieden werden, ob und wie es mit der Chemo weitergeht.

Tja, so Auge in Auge mit der Lymphe zu sein, in der ja meine Krankheit steckt, hat mich einigermaßen umgehauen. Zunächst: wann sieht man schon mal seine eigene Lymphe? Und dann hatte ich meine Erkrankung damit auch sehr eindrucksvoll vor Augen – und zwar in erheblicher Menge. Zwei Tage lang war ich sehr niedergeschlagen. Die Diagnose “unheilbares Lymphom” ging mir nicht aus dem Kopf. Die immer noch guten Aussichten der Therapie kamen mir dagegen bedeutungslos vor.

Körperlich ging es mir in den folgenden Tagen allerdings zunehmend besser: die Schmerzen im Brustkorb und auch die Kurzatmigkeit waren nach einigen Tagen weg. Mittlerweile sind die sieben Tage Antibiotika-Kur vorbei und ich fühle mich recht fit. Dies nehme ich inzwischen zum Anlass, die Sache etwas weniger dramatisch zu nehmen und die Arzttermine einfach abzuwarten. Mir fallen plausible Erklärungen für die Lymphansammlung ein und ich nehme diese quasi als “Arbeitshypothese” bis ich Genaues weiß.

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